Rassismus geht uns alle an

Ein Blick zurück: am Vormittag des 21. März 1960 demonstrierten im südafrikanischen Sharpeville tausende Menschen gegen das Apartheid-Regime und dessen diskriminierende Gesetzgebung, nach denen das gesamte Land in „schwarze“ und „weiße“ Bereiche getrennt wurde. Von Anfang an von Sicherheitskräften bedrängt eskalierte die Situation gegen Mittag, die Polizei schoss in die Menge. 69 Menschen fanden den Tod, hunderte wurden verletzt. In Erinnerung an diese Tragödie, aber auch den Mut der vielen Menschen, sich gegen Unterdrückung und staatliche Diskriminierung zu wehren, riefen die Vereinten Nationen den 21. März zum „Internationalen Tag gegen Rassismus“ aus. Weiterlesen

Junge Menschen in den Stadtrat

1062540_700629176634303_660347296_nAm 25. Mai wird ein neuer Stadtrat gewählt. Wir freuen uns bereits jetzt darauf im Wahlkampf mit kreativen Aktionen für ein bestmögliches Ergebnis der LINKEN in Chemnitz zu kämpfen. Umso erfreulicher finden wir es, dass sich auch ein Genosse aus unserer Basisgruppe für eine Kandidatur bei der Stadtratswahl entschieden hat. Maximilian Schneider ist seit 2010 Koordinator unserer Gruppe, hat unsere Struktur mit aufgebaut und möchte sich nun zur Wahl stellen. Wir begrüßen diese Kandidatur. Auf unserem nächsten Stadtjugendplenum wollen wir ihn mit dem Jugendvotum ausstatten, damit er ganz offiziell auf unsere Unterstützung zählen kann. Ein Stadtrat sollte einen Querschnitt der verschiedenen Lebensrealitäten unserer Stadt darstellen. Junge Menschen werden in unserer derzeitigen Stadtratsfraktion leider nur unterproportional repräsentiert. Aus diesem Grund finden wir es wichtig, dass Maximilian an aussichtsreicher Stelle die Chance gegeben wird, für den Stadtrat zu kandidieren. Seit Jahren wird in unserer Partei von einem Generationenwechsel geredet. Wir denken, dass die Zeit dafür gekommen ist und möchten unseren Teil dazu beitragen. Deshalb bitten wir euch, auf der Wahlversammlung Maximilian euer Vertrauen zu schenken. Wir werden unsererseits mit einem aktiven Straßenwahlkampf für ein gutes Ergebnis der LINKEN in der Stadt kämpfen. Versprochen. 🙂

Zu den jüngsten Ereignissen um die Erstaufnahmeeinrichtung

Die jüngsten Ereignisse in der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) am Adalbert-Stifter-Weg mit mehreren Verletzten und einem Großaufgebot der Polizei stellen den vorläufigen Höhepunkt in einer Reihe von Zwischenfällen dar. Jetzt, da Menschen zum Teil schwer verletzt wurden, greift der Reflex nach mehr Sicherheit und Ordnung. Markus Ulbig (CDU), sächsischer Innenminister, forderte zuletzt gegenüber der „Freien Presse“ Polizeistreifen und anlasslose Kontrollen der Ünterkünfte auf dem Gelände der EAE. Dies ist nicht nur eine Forderung – genau das geschieht zur Zeit. Die Unschuldsvermutung tritt zurüSo muss auch die nun von Ulbig geforderte Beschleunigung von Asylverfahren, verbunden mit einer ebenso zügigeren Abschiebung von Menschen mit abgelehntem Antrag, zynisch klingen. Hierbei verweist er auf die im Vergleich zum Vorjahr rapide gestiegene Anzahl von Asylanträgen – ohne jedoch darauf zu verweisen, dassdiese im Vergleich zur Mitte der 1990er Jahre noch gering sind. Oder gar darauf, dass andere EU-Staaten, wie etwa Belgien und Schweden, gemessen an ihrer Bevölkerungsgröße, wesentlich mehr Flüchtlinge aufnehmen, als Deutschland. In dieser Hinsicht ist er ganz auf der Linie des amtierenden Bundesinnenministers Hans-Peter Friedrich, der, ganz im Sprech rechtsradikaler Kreise, im Vorfeld der Bundestagswahl vor „Wirtschaftsflüchtlingen“ und „Asylmissbrauch““warnte“. Weiterlesen

Ein ÖPNV für ALLE

Die Preise für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) werden immer teurer, so dass sich immer weniger Menschen ein Ticket leisten können bzw. leisten wollen. Insbesondere für Menschen, die in Armut leben, wird es immer schwieriger sich ein Mindestmaß an Mobilität zu erhalten. Dabei ist Mobilität ein wichtiger Faktor für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Um diesen Missstand entgegenzuwirken, fordert DIE LINKE in ihrem aktuellen Wahlprogramm die Einführung eines sogenannten fahrscheinlosen ÖPNV, der für jede_n frei nutzbar ist. Einen Vorschlag zur Finanzierung des fahrscheinlosen ÖPNV bringt Marco Böhme, Vorstandmitglied des Ökolöwen Umweltbund Leipzig e.V. und Mitglied der LINKEN im „Dialog für Sachsen“. Finanzieren könne man das ganze durch eine Pflichtabgabe der Bürger_innen und Touristen (durch Hotelabgabe) für den Nahverkehr in ihrer Stadt. Da dies dann alle zahlen, würden sich die Kosten durch viel mehr Menschen aufteilen.

Ein fahrscheinloser ÖPNV ist keineswegs eine Utopie, sondern vor allem in Großstädten umsetzbar, da dort in den meisten Fällen (so auch in Chemnitz) ein flächendeckendes Liniennetz besteht. Das Beispiel Tallinn, wo man seit diesem Jahr ohne Fahrschein fahren kann, zeigt, dass eine Umsetzung möglich ist.

Als schwieriger erweist sich allerdings die Situation auf dem Land. Hier gibt es häufig kein flächendeckendes Netz und Busse fahren nur selten.

DIE LINKE fordert deshalb die Schaffung flexibler Angebote durch Breitstellung von Bürgerbussen und Anruf-Sammeltaxis. Auf diese Weise kann man auch in ländlichen Regionen mehr Menschen dazu bewegen, vom Auto auf den ÖPNV umzusteigen. Man sollte bedenken, dass man die Forderung nach einem fahrscheinlosen ÖPNV nicht ausschließlich der Bundesebene überlassen kann, denn bei der Umsetzung sind vor allem die Kommunen gefragt. Aus diesem Grund sollte DIE LINKE in Chemnitz diesen Punkt auf jeden Fall in ihr nächstes Kommunalwahlprogramm setzen. Denn für eine Partei, die für sich in Anspruch nimmt, für soziale Gerechtigkeit zu kämpfen, wäre dies eine konsequente Forderung.

„Anwesenheitspflicht“

Ich lasse meinen Blick durch die Klasse schweifen: Reihum gelangweilte Gesichter, leere Blicke, aufgestützte Köpfe. Irgendwo hinter mir höre ich ein leises Schnarchen. Und mein Biologielehrer rasselt ohne mit der Wimper zu zucken die enzymatisch katalysierten Stoffwechselreaktionen runter. Kopfschütteln. Auch wenn diese Biologiestunde wohl zu den schlimmsten ihrer Art zählte, so machte sie doch eines auf eindrückliche Art und Weise deutlich: In der Schule läuft einiges nicht so, wie es sollte. Weiterlesen

Für eine Evaluation der Lehrkräfte!

Warum ich vehement für eine Evaluation unserer Lehrerinnen und Lehrer eintrete? Mit Kopfschütteln muss ich erkennen, dass die Unterrichtsqualität trotz der einheitlichen Lehrpläne nicht im mindesten vergleichbar ist. Fernab von derzeitigen Missständen wie beispielsweise dem Lehrermangel und dem daraus resultierenden Unterrichtsausfall, den fachfremden Vertretungsstunden oder den sogenannten „Guckstunden“ ist die Gesamtheit der verbesserungswürdigen Aspekte unseres Bildungssystems noch lange nicht erschöpft. Die demographischen Entwicklungen bedingen Folgendes: Unsere Lehrer und Lehrerinnen altern – und mit ihnen viel zu oft auch ihr Kenntnisstand und ihre Unterrichtsmethoden.

Natürlich ist es nachvollziehbar, dass Lehrer und Lehrerinnen neben all den ihnen auferlegten Aufgaben und Verantwortlichkeiten sowie aufgrund einer gewissen Gewohnheit ihre Unterrichtsinhalte und ihre Unterrichtsweise nicht Jahr für Jahr umgestalten und auf den neuesten Stand bringen. Aber ein Gemeinschaftskundeunterricht, der eben wegen dieser Gewohnheit und aufgrund fehlender Kritik auf tagespolitische Diskussionen verzichtet ist schlichtweg nicht tragbar. Auch die unterschiedlichen Leistungsstände schon allein innerhalb der selben Klassenstufe sind oftmals gravierend. Es ist unverantwortlich, dass persönliche Ansichten, Vorlieben und Schwerpunkte eines Lehrers sich oft direkt im Leistungsbild der Schüler und Schülerinnen abzeichnen und deren Anpassungsfähigkeit an die Lehrkraft einen maßgeblichen Einfluss auf ihren Leistungsstand hat. Dies begründet die Einseitigkeit und Unvergleichbarkeit des Unterrichtes und macht Lehrerwechsel oftmals sehr dramatisch. Vor allem in der momentanen Situation, in welcher fehlende Lehrkräfte oftmals gar nicht oder ungenügend ersetzt werden (können), kommt es immer wieder zu zwei- oder sogar dreifachen Lehrkraftwechseln innerhalb eines Schuljahres. Und wir Schüler_innen müssen uns blitzschnell von Faktenwissen auf kreative Ansprüche, von stupidem Auswendiglernen auf das Erkennen von Zusammenhängen umstellen. Und gelingt uns dies nicht, werden wir mit schlechter Benotung abgestraft.

Wir Schüler und Schülerinnen sind einer ständigen Bewertung unterzogen: Nicht nur unser Wissen, auch unser Verhalten, unsere Arbeitseinstellung und unsere Mitarbeit stehen ununterbrochen auf dem Prüfstand. Die ständige Konfrontation mit äußeren Einschätzungen, sei es durch Noten, schriftliches oder mündliches Feedback, sollen uns Schüler und Schülerinnen helfen, uns selbst einzuschätzen und an uns zu arbeiten. Was spricht also dagegen, auch unsere Lehrkräfte einer regelmäßigen Einschätzung zu unterziehen?

Einmal Lehrkraft, immer Lehrkraft? Nichts da! Eine regelmäßige Evaluation der Lehrerinnen und Lehrer, deren methodische und didaktische Unterrichtsmethoden sowie die Qualität des zu vermittelnden Schulstoffes ist unabdingbar. Mindestens aller zwei Jahre muss eine Evaluationskommission zusammentreten, die sowohl anhand von Unterrichtsbesuchen als auch von Lehrer- und Elternbefragungen dem Lehrer oder der Lehrerin ein objektives und dadurch vergleichbares Feedback geben kann. Die personellen und finanziellen Ressourcen, die in eine umfassende Unterrichtsevaluation investiert werden müssten sind keinesfalls wirkungslos. Das Ideal, jedem den gleichen Zugang zur Bildung sowie ein vergleichbares Unterrichtsniveau zu garantieren, dürfte doch im Interesse eines jeden Bundeslandes sein. Die Qualität der Bildung ist nicht ausschließlich von äußeren Faktoren, wie jenen, die ich zu Beginn ansprach, abhängig, sondern muss auch von „innen“ heraus gewährleistet werden. Warum zögern wir noch? Es kann nur besser werden!

Tüdelü goes Chemnitzer Stadtfest

Bunt, schrill, verrückt, laut – so kennen wir das „Tüdelü“. Am 31. August 2013 geht das Tüdelü in die zweite Runde, wie gewohnt auf dem Parkgelände vor der Chemnitzer Stadthalle. Diesmal aber inmitten des Chemnitzer Stadtfestes „Mitten drin statt außen vor“, denn die Szene geht uns alle an und feiern macht schließlich nur zusammen richtig Spaß. Das Tüdelü wird, wie schon im Vorjahr, unter dem Motto „Homo-, hetero-, bi-, oder trans- Chemnitz die Stadt der Vielfalt kann‘s!“ laufen und sich als Fest für alle Lebens- und Liebensweisen präsentieren. Zu den wichtigsten Inhalten an diesem Tag zählt natürlich die Aufklärung, die durch eine Info- und Aktionsmeile rund um alle LSBTI-Themen realisiert wird. Bei verschiedenen Kooperationspartnern, die mit ihren Ständen wieder vor Ort sein werden, können alle Fragen zur Szene und dem Leben in und mit ihr gestellt und natürlich beantwortet werden. Im Chillout Bereich, diesmal direkt vor der Bu?hne, kann auf der Wiese den Bands gelauscht, kühle Getränke und leckeres Essen einverleibt oder neue Kontakte geknüpft werden. Wer vor hat, mit Kindern zu kommen, kann diese unbesorgt an diversen, zum Teil betreuten, Spielecken oder einer Hüpfburg abgeben und kurz allein über den bunt gestalteten Festplatz schlendern und die ein oder andere Dragqueen auf sich wirken lassen. Der diesjährige Startschuss fällt in Form einer kleinen Parade, die quer durch die Straßen des Stadtfestes verläuft und hoffentlich viele Neugierige mit sich ziehen wird. Das anschließende Bühnenprogramm, das aus einer Mischung aus Diskussion, Information, Unterhaltung, Comedy, Show und Musik bestehen wird, wird erstmalig nur von Akteuren aus der LSBTI Szene aufgeführt. Wie es sich für einen verrückten Tüdelü-Tag gehört, gibt es ab 22Uhr eine Abschlusspartysause der besonderen Art, mit diversen Special-Guests, Musik, leckere Cocktails und jeder Menge Tanzwut. Das Tüdelü freut sich auf einen grandiosen und unvergesslichen Tag mit euch!

„Nazis? Antifas?…Alles Extremist_innen!“

Häufig sehen sich antifaschistisch engagierte Menschen bei Gesprächen mit weniger bis gar nicht politisierten Freund_innen und Bekannten mit so oder so ähnlich lautenden Aussagen konfrontiert: „Ich bin ja auch gegen Nazis, aber die Antifa …, die ist doch genauso schlimm! Mit denen will ich auch nichts zu tun haben“. Mal abgesehen davon, dass es DIE Antifa gar nicht gibt, sondern eine Vielzahl sehr verschiedenartiger und eigenständiger antifaschistischer Gruppen existiert, lassen solchen Aussagen erkennen, dass die aussprechende Person eine besondere Herrschaftsideologie verinnerlicht hat. Es handelt sich um die sogenannte „Extremismustheorie“. Diese geht, vereinfachend dargestellt, davon aus, dass, neben einem „guten“, die „freiheitlich-demokratische Grundordnung“ (FDGO) der BRD anerkennenden, „mittleren“ Spektrum politischer Parteien, Organisationen und Personen, am linkem und rechtem Rand „extremistische“ Positionen vertreten seien, die beide in ähnlicher Art und Weise eben diese FDGO ablehnen und sie auch mit den gleichen, gewaltsamen Mitteln abschaffen wollen würden, weshalb sie vom demokratischen Staat gleichermaßen zu bekämpfen seien. Versinnbildlicht wird dies zumeist mit einem Hufeisen, das zudem die vermeintliche Gleichartigkeit und Nähe sog. „linksextremer“ zu „rechtsextremen“, d.h. nationalsozialistischen oder faschistischen Positionen verdeutlichen soll. Weiterlesen

„Vielfalt statt Einfalt“: CSD – Chemnitz

Regenbogenfahnen, 200 bunte, tanzende Menschen, Musik von zwei LKWs, fröhliche Gesichter, Seifenblasen, Gespräche, Luftballons, politische Forderungen und Glitzer haben sich am 15. Juni zum ersten Chemnitzer Christopher-Street-Day (CSD) zusammengefunden. Gestartet ist der bunte Demonstrationszug am Schillerplatz vor der Aidshilfe und zog unter dem Motto „Vielfalt statt Einfalt“ zwei Stunden durch die Innenstadt. Er endete auf dem Straßenfest am Wall, wo die vielen Teilnehmer_innen sich an den Ständen verschiedener Vereine, wie LSVD, Aidshilfe, Different People, etc. und verschiedener Parteien und Jugendverbände zum Thema informieren konnten. Ein weiterer Höhepunkt im Programm war das politische Forum mit den OB-Kandidat_innen. Wir als Linksjugend hatten einen der Lautsprecherwagen organisiert und bunt gestaltet sowie eine chillout area mit Matratzen, Hängematte und Infomaterial. Die Resonanz war sehr gut – die Kisten mit Flyern, Süßigkeiten, Themenfächern und vielem mehr waren beizeiten alle. Es konnte mit diesem CSD ein starkes Zeichen gegen Homophobie und für die Gleichberechtigung verschiedenster Lebensformen gesetzt werden. Unsere Forderungen und die der Partei DIE LINKE kamen bei den Menschen gut an, denn was die Gleichberechtigung der Vielfalt an Lebensansätzen angeht, sind wir uns alle ziemlich einig. Wir sind natürlich auch zum nächsten CSD wieder dabei und freuen uns schon, mit noch mehr Menschen gemeinsam für gleiche Rechte für alle Liebenden auf die Straße zugehen.

In diesem Sinne: „Lieb doch wen du willst!“

Warum wir gendern…

Einige Blog-Leser_innen werden sich bestimmt schon gefragt haben, warum wir in unseren Texten nicht die männliche Form verwenden (in diesem Fall wäre das „Blog-Leser“), sondern gendern. Was Gendern bedeutet und warum wir eine bestimmte Form verwenden, soll im Folgenden kurz erläutert werden.

In unserer Sprache finden sich sowohl Rollenbilder als auch Klischees wieder. Sprache ist also nicht wertfrei. Nehmen wir als Beispiel die umgangssprachlichen Berufsbezeichnungen „Feuerwehrmann“ und „Putzfrau“. Diese Bezeichnungen bedienen ein gängiges Rollenbild: Einerseits der Mann als heroischer Lebensretter und andererseits die Frau, der qua Rollenbild lediglich haushaltsähnliche Aufgaben zukommen. Da es heutzutage auch genügend Frauen gibt, die bei der Feuwerwehr arbeiten und Männer auch haupt- oder nebenberuflich putzen, bilden diese Begriffe nicht die Realität ab. Deshalb sprechen wir mittlerweile geschlechtsneutral von „Feuerwehrleuten“ und „Reinigungskräften“. Die Sprache hat sich also verändert und den gesellschaftlichen Umbrüchen angepasst.

Schwieriger wird eine geschlechtsneutrale Formulierung bei Substantiven mit der Nachsilbe „er“ (wie z.B. „Politiker“). Hierbei gibt es mehrere Möglichkeiten des Gendern, auf die an dieser Stelle allerdings nicht eingegangen werden soll. In unserer Linksjugendgruppe haben wir uns für das sogenannte Gender Gap entschieden. Das Gender Gap ist der Unterstrich zwischen dem Substantiv und dem „in“ in der Einzahl, bzw. dem „innen“ in der Mehrzahl. Aus Politiker wird also Poltiker_in, aus Lehrern werden Lehrer_innen. Das Gender Gap erfüllt primär zwei Funktionen: Zum einen sollen damit Menschen aller Geschlechter angesprochen werden, zum anderen sollen durch den Unterstrich aber auch Menschen sichtbar gemacht und angesprochen werden, die sich keinem biologischen Geschlecht zuordnen können bzw. möchten (z.B. Intersexuelle).

Manchen mag die Verwendung des Gender Gaps komisch erscheinen und in Texten als unschön herüberkommen. Jedoch unterwirft sich die Sprache einer ständigen Veränderung und mit der Zeit wird sich jede_r an neue Sprachformen gewöhnen. Andere werden möglicherweise argumentieren, dass sie mit der Verwendung des generischen Maskulinums (also der männlichen Form) alle Menschen meinen und damit ansprechen. Studien¹ zeigen jedoch, dass sich die nicht-männlichen Angesprochenen oftmals eben nicht angesprochen fühlen. Zudem entsteht beim generischen Maskulinum in erster Linie eine Assoziation mit dem männlichen Geschlecht, wodurch nicht-männliche Menschen in der Sprache unsichtbar gemacht werden. Ein Beispiel: Wenn ich irgendjemanden bitte mir drei Schauspieler (also explizit die männliche Form) zu nennen, so werde ich in 99,9% der Fälle auch drei männliche Schauspieler genannt bekommen. Sprache beeinflusst also das Denken. Aus diesem Grund gendern wir und werden uns weiterhin für Emanzipation in Sprache und Gesellschaft einsetzen.

¹Stefanowitsch, Anatol: Frauen natürlich ausgenommen. 2011, in: SciLogs (Hrsg.), http://gleft.de/ao (Zugriff am 22.05.2013).