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Die Bundeswehr zum Anfassen

Mit der Werbeaktion für Feriencamps in der „Bravo“, die die Leserinnen und Leser mit Versprechen von Abenteuerlust und Erlebnisreichtum lockten, hat sich die Bundeswehr im vergangenen Jahr selbst überboten. Nachdem die Werbung über die Arbeitsagenturen, Messestände, Militär-Unis, Jugendpressekongresse, Preisausschreiben, Musik-, Talent- und Sportwettbewerbe das Nachwuchsproblem nicht beheben konnten, hat sie ein neues Feld für sich erobert: Die Schule. Glasklar, dass der Bundeswehr das Feld nicht einfach so überlassen werden darf. Schließlich geht es hier nicht nur um irgendwelche Jobs, sondern letztlich auch ums Töten und getötet werden. Jugendoffi ziere bieten an, zwei Unterrichtsstunden zum Thema »Sicherheitspolitik« zu füllen. Im kommenden Schuljahr diskutieren sie erneut unter dem Deckmantel einer sachlichen und neutralen Aufklärungsarbeit über ihre Auslandseinsätze sowie über grundsätzliche Fragen von Krieg und Frieden. Die Ansichten und Absichten der Bundeswehr werden somit zu regulären Lerninhalten erhoben. Zudem werden durch das Bundesverteidigungsministerium Unterrichtsmaterialien zur Verfügung gestellt. Leider nehmen viele Lehrerinnen und Lehrer diese, beispielsweise eine Übersicht über Werte und Normen im Rahmen des Ethikunterrichtes, völlig unkritisch als Grundlage oder Ergänzung ihres Unterrichts und ermöglichen der Bundeswehr einen Eingriff in die Unterrichtsinhalte. So wird die Bundeswehr zum Beispiel in einem Atemzug mit dem Internationalen Roten Kreuz und Amnesty International als internationale Hilfsorganisation dargestellt. Hier wird vor allem das Versagen der Kultusministerien und Schulbehörden offenbar, die weder der militärpolitischen Indoktrination an Schulen offensiv entgegentreten, noch praxisnahe Alternativen zu den Bildungsfahrten oder Planspielen der Bundeswehr bieten. Diese staatlichen Angebote würden nicht nur die Attraktivität des Gemeinschaftskundeunterrichtes enorm steigern, sondern sind für die unabhängige politische Sensibilisierung und Meinungsbildung der Jugendlichen unabdingbar. Die Bundeswehr kann, selbst wenn sie will, gar kein ausgewogenes und vollständiges Bild zu Fragen der Außen-, Friedens- und Sicherheitspolitik vermitteln. Aber das militärische Führen und Kontrollieren von Konflikten wird in immer mehr Situationen offensiv als alternativlos propagiert. Krieg wird weiter normalisiert, ob humanitär etikettiert oder mit der Durchsetzung von „freien Rohstoff- und Handelsströmen“ gerechtfertigt. Die Folgen für die Zivilbevölkerung, die Natur und die betroffenen Gesellschaften sowie die politischen und ökonomischen Hintergründe der Einsätze zum Großteil unterschlagen. In den professionellen Werbekampagnen werden auch die Risiken für die Soldatinnen und Soldaten kaum erwähnt: Die Jugendlichen erfahren weder etwas über die posttraumatische Belastungsstörung, über den möglichen Tod, Verstümmelungen usw.; Stattdessen versucht sich die Bundeswehr als „normaler“ Ausbildungsplatz und attraktiver Arbeitgeber zu inszenieren. Doch die Werbung fällt nicht selten auf fruchtbaren Boden. Die Bundeswehr füllt eine Lücke, die sich sowohl in der Bildungspolitik als auch im Erleben vieler Jugendlicher aufgetan hat. Sie holt eine Vielzahl von ihnen in ihrer Perspektivlosigkeit ab und bietet ihnen sichere Arbeitsplätze und ein gutes Gehalt. „Eine Karriere mit Zukunft“ – also genau das, wovon wir jungen Menschen heute Welten entfernt sind. Aber wir brauchen echte Perspektiven, nicht bloß die Aussicht bei der Bundeswehr dem Tod ins Auge zu sehen. Krieg darf nicht zur Realität werden – schon gar nicht zur Realität junger Schülerinnen und Schüler. Deswegen ist unmissverständlich klar: Es darf keine Kooperationsvereinbarungen zwischen Kultusministerien und der Bundeswehr geben, die eine Dominanz von Militär und Kriegspräsenz an den Schulen schaffen – die Aufhebung all dieser bereits abgeschlossenen Verträge ist unabdinglich! Ich verwehre mich gegen die Vermittlung von Legitimierung und Legalisierung von Gewalt als gebräuchliche Form der Auseinandersetzung. Schulen sollen und müssen ein Ort der Bildung sein, nicht der einseitigen Rekrutierung.

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Die In zum Weltfriedenstag

Anlässlich des Weltfriedenstags führte die Linksjugend [’solid] Chemnitz gestern einen Die In durch. Während der Aktion wurden Flyer verteilt:

-> flyer_weltfriedenstag_vorne.pdf

-> flyer_weltfriedenstag_hinten.pdf

Video von der Aktion: